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WordPress Veranstaltungen für Frauen – nötig oder nicht?

Eieiei, was habe ich da am Freitag losgetreten. Eine Diskussion, die zum Glück sehr sachlich und ohne großes Brimborium auf Twitter geführt wurde/wird. Es fing alles ganz harmlos mit einem Emoji an:

Danach wurde ich in Worten etwas konkreter:

Auf Twitter sind Diskussionen auch gerne mal schwierig, da man mit 140 Zeichen nicht sooo viel Platz hat, seine Gedanken ausführlich zu teilen. Zum obigen Tweet von mir möchte ich noch meine Hintergedanken hinzufügen. Ich war 2014 auf meinem ersten WordCamp in Hamburg und seit Frühjahr 2015 besuche ich regelmäßig das WordPress Meetup Münster/Osnabrück. Ich persönlich habe die Veranstaltungen nie als irgendwie ausgrenzend betrachtet, egal ob vom Geschlecht oder Kenntnisstand her. Ich habe mich immer wohl gefühlt und bin gerne Teil der Community.

Du bist also eine Frau in der IT

Vielleicht hole ich noch etwas mehr zu mir aus, bevor es weiter um das Thema geht. Nachdem ich in meiner Jugend schon gerne mal was mit Webseiten gemacht habe, konnte ich 2006 eine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung beginnen und habe diese nach drei Jahren erfolgreich abgeschlossen. Seither arbeite ich im Bereich des Web Development. Während meiner Ausbildung und in den ersten Berufsjahren hatte ich tolle Vorgesetzte, die mich in meinem Tun bestärkt haben und für die die klassische Rollenverteilung nicht existent war. Auch wenn ich bisher nie damit offen konfrontiert wurde, als Frau in einem typischen “Männerberuf” zu arbeiten, so habe ich dennoch Skepsis und unterschwellige Abneigung durch einige Männer erfahren, die meinen Berufsweg kreuzten. Vielleicht kam es mir auch nie so offen entgegen, da ich eigentlich sehr “un-mädchenhaft” bin. Die Farbe Pink kann ich gar nicht leiden und so typischer “Mädchenkram” ist nicht meins. Vielleicht trägt es auch dazu bei, dass mir so manch ein “dummer” Kommentar des anderen Geschlechts bisher erspart blieb.

Natürlich gibt es andere (männliche) Entwickler, die in verschiedenen Bereichen mehr Wissen und mehr Erfahrung haben als wie ich. Ich habe mich auch in den ersten Berufsjahren schwer getan einzugestehen, dass ich nicht alles weiß. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass es einfach nicht schlimm ist. Man muss offen bleiben für neues und sich einfach nicht dafür schämen, nicht alles zu wissen. Keiner kommt mit dem gesamten Wissen der Wikipedia, der PHP Dokumentation oder des WordPress Codex zur Welt.

Du sagst doch, das Meetup braucht es nicht, was soll das Gelaber?

Wie gesagt, WordCamps und Meetups empfand ich persönlich nie als ausgrenzend, eher als sehr offene Veranstaltungen. Vielleicht habe ich auch einfach einen “Tech”-Bonus, um bei einigen Diskussionen mithalten zu können, welche für andere nur aus böhmischen Dörfern bestehen. Oder einen “ich-bin-nicht-so-mädchenhaft”-Bonus. Wer weiß.

Das wir ein gesamt-gesellschaftliches Problem haben, was die Unterscheidung der Geschlechter angeht, ist nichts neues. Es zieht sich wie Gummi durch alle Bereiche, leider eben auch durch die Arbeitswelt und die IT. Wobei ich dazu sagen muss, dass mir eben in der WordPress Community eigentlich noch kein Mann besonders aufgefallen ist, der ein “jerk-like behaviour” an den Tag gelegt hat, wie es Bernhard in seinem Blog so schön formuliert hat (Lesenswerter Beitrag von ihm zu dieser Diskussion!) – von daher auch meine erstaunte Antwort in dem Tweet oben. Ich bin bisher einfach nur unglaublich vielen sympathischen Menschen des anderen (und auch des eigenen) Geschlechts begegnet, weshalb ich die Community sehr schätze. Ich finde, da muss man einfach keine Angst haben, sich zu einem Meetup zu gesellen oder ein WordCamp zu besuchen.

Die Diskussion auf Twitter sowie die hohe Teilnehmerzahl der Female WordPress Meetup Veranstaltung sind aber zwei Gründe, sich da nochmal konkreter Gedanken zu dem Thema zu machen.

Und was schlägst du jetzt vor?

Eins vorweg: lasst das Female WordPress Meetup doch erstmal stattfinden.

Die Kommunikation um die Ankündigung der Veranstaltung ist vielleicht etwas unglücklich gelaufen. Mein Gott, shit happens. Ja, auch Twitter ist vielleicht etwas ungünstig im Austausch – zu wenig Platz, um Gedanken ausführlich zu teilen. Shit happens die zweite. Wie oben schon erwähnt fand ich es gut, das es eine sachlich geführte Diskussion auf Twitter in Folge meines Tweets gab. Wir hatten das ja vor nicht mal einem halben Jahr schon etwas anders. (Stringintelligenz, ihr erinnert euch?)

Was mich persönlich als Feedback der Veranstaltung interessieren würde (für Maja):

  1. Aus welchem Grund besuchen die Teilnehmerinnen ein Female WordPress Meetup, aber nicht das reguläre?
  2. Was könnte man für die WordPress Meetups generell (nicht nur das in Berlin) besser machen, um die Teilnehmerinnen des Female WordPress Meetups / Frauen, die bisher noch nicht das reguläre Meetup besuchen besser anzusprechen?

Um den WordPress Code of Conduct gerecht zu werden, könnte ja eine männliche Begleitperson zu einer regulären Teilnehmerin erlaubt sein. 😉 Einfach nur, um ein im Umkehrschluss entstehendes “dann machen wir halt unser Männer-Meetup, wenn ihr Frauen euch schon zusammenrottet” von Anfang an auszuschließen. (Ich glaube zwar nicht, dass sich sowas im Berliner Meetup etablieren wird, aber erinnert euch an das “jerk-like behaviour”.)

Fazit

Ja, es gibt wohl einen Bedarf für ein Female WordPress Meetup. Lasst es stattfinden und holt das Feedback ein. Auch wenn wir insgesamt nicht das gesellschaftliche Denken mit dieser oder anderen WordPress Veranstaltungen ändern können, so können wir den ersten Schritt in die richtige Richtung machen. Es fühlen sich Personen nicht abgeholt / nicht zum regulären Meetup zugehörig. Da sollten wir ansetzen und für diese Personen ein offenes Ohr haben.

Was ist deine Meinung zu dem Thema? Welche Erfahrungen hast du in der WordPress Community bisher gemacht?

 

3 Kommentare

  1. Meine Erfahrungen mit der WordPress-Community sind die: Ein Großteil der an Events Beteiligten versteht und lebt den Code of Conduct; trotzdem gibt es immer wieder Fälle von (im Sinne des CoC) unangemessenem Verhalten; und so etwas geschieht selten aus Bösartigkeit, sondern es passiert dann, wenn Menschen (definitiv nicht nur, aber meistens: Männer) die Wirkung ihrer Worte oder Verhaltensweisen nicht proaktiv reflektieren.

    Noch mal kurz zu der Sache mit dem Code of Conduct, die ja auch Bernhard in seinem Artikel (als „Argument“ von Dritten) erwähnt hat.

    Der Code of Conduct für WordPress Meetups und WordCamps wurde geschaffen, damit Menschen – u.a. eben besonders Frauen – sich auf Community-Veranstaltungen sicher und wohl fühlen können. Das war notwendig, weil es in unserer immer noch Männer-dominierten Community in der Vergangenheit zu Vorfällen gekommen waren, bei denen Frauen eben diskriminiert oder respektlos behandelt worden waren.

    Der Versuch, jetzt diesen eigenes zur Sicherheit von (u.a.) Frauen geschaffenen Verhaltenskodex zur Rechtfertigung heranziehen zu wollen, um denselben Frauen das Recht auf ein Meetup unter sich wegdiskutieren zu wollen, wäre wohl der Gipfel der Borniertheit.

    Wenn es ein Meetup nur für Frauen gibt und es als solches so gut angenommen wird, wie das gerade der Fall ist, dann gibt es von Männer-Seite dazu nur eine einzige Bemerkung zu machen: viel Spaß und danke!

    Danke, dass ihr uns demonstriert, dass wir mit dem Leben des Code of Conduct noch nicht ganz dort angekommen sind, wo wir alle gemeinsam gerne hin möchten. Wir arbeiten weiter dran.

  2. Hans-Helge sagt:

    Danke Jessica für diesen Post. Ich hatte auch überelegt etwas dazu zu bloggen, aber du triffst genau meinen Standpunkt. Ich bin grundsätzlich nicht gegen das Meetup. Genau wie du, sage ich erstmal: Lass es stattfinden und dann gucken wir weiter. Daher auch das “Denk”-Emoji, dass ich für mich so interepretieren, dass ich dem ganzen noch etwas skeptisch gegenüber stehe.

    Um Grunde kommt es genau auf deine 2 Fragen hinaus. Warum fühlen sich dann Frauen nicht zum regulären Meetup hingezogen? Das ist ja erstmal meine erste These, weshalb ein “Female”-Meetup organisiert wird.

    Aber wenn wir die Frauen wirklich im regulären Meetup haben wollen (und das ist mein Wunsch. Lieber 1 gemischtes Meetup als 2 getrennte), dann müssen wir überlegen was man ändern könnte um die Gemeinschaften zusammenzubringen.

  3. Scharlotte sagt:

    Da ich für Gleichberechtigung bin, brauche ich kein “Frauen-Meetup”.
    Ganz im Gegenteil, wir möchten doch mitwirken, mitreden, mit entscheiden und von Herren für ernst genommen werden. Das funktioniert aber nicht, wenn wir uns ausschließen und uns eine Extrawurst im eigenen Süppchen kochen wollen, sondern provoziert nur die Hässlichkeit und die Niedertracht bis in alle Ewigkeit. Auweia!

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